Aktuelle Ausstellung

DEUTSCHE MYTHOLOGIE

Lebenswelt, Götterglaube und Synkretismus im germanischen Kulturraum Nord- und Mitteleuropas bis zur Christianisierung

Vernissage am 31. Mai 2018 um 17:00 Uhr im Museum der Schwalm

Ausstellungsdauer: bis 29. Juli 2018

Hinweis: Aufgrund der baulichen Eingriffe am Gebäude und der laufenden Ausstellung ist die Abteilung "Weißstickerei" momentan nur in Form weniger Vitrinen zugänglich.


Größte Ausstellung des Jahres über das komplette Obergeschoss

Umfangreiche, voll begehbare Dioramen


Die unter der Fremdbezeichnung „Germanen“ bekannten, antiken Stämme Mitteleuropas und Südskandinaviens sind uns durch zahlreiche Veröffentlichungen, Ausstellungen und sogar eigene Museen bekannt, rezipiert dabei meist im Zuge der Expansion des Römischen Reiches, überliefert in Aufzeichnungen römischer Historiker wie Tacitus und Strabo. Deren – wenngleich mit der erforderlichen Vorsicht im Umgang mit antiken Autoren zu behandelnden – Beobachtungen erlaubte die frühe Rekonstruktion der gesellschaftlichen und kulturellen Lebenswelt der germanischen Stämme. Was in den vergangenen Jahrzehnten hingegen selten – schon beinahe stiefmütterlich – behandelt wurde, ist Glaubenswelt und Kultritus, die Mythologie der Germanen.

Nicht zuletzt durch den Mangel an Schriftzeugnissen aus erster Hand, sowie die Instrumentalisierung, gnadenlose Verzerrung und Vergiftung des antiken Germanenbildes durch die Nationalsozialisten, beginnt die historische, archäologische und philologische Forschung erst seit einigen Jahren wieder erste deutliche Versuche einer objektiven, wissenschaftlichen Behandlung des Themas, vor allem im deutschen Raum. 

Um sein Teil zur Unterstützung eines Forschungsfeldes zu leisten, in dem noch so viele Bemühungen, Berichtigungen und Perspektivwechsel erforderlich sind, um ein umfassendes Bild der antiken Bewohner Mittel- und Nordeuropas – und damit auch unserer Heimatregion – zu zeichnen, laden wir sie herzlich ein, mit uns einen Abstecher in die Tiefen der germanischen Kult- und Götterwelt zu unternehmen. Verfolgen sie die germanische Glaubenspraxis in der Beobachtung alltäglicher Kulthandlungen am Beispiel des Stammes der Chatten aus dem heutigen Nordhessen, samt dem Begräbnisbrauch und dem anschließenden Übergang in die fremden Sphären germanischer Kosmologie. 

Unternehmen Sie einen Spaziergang durch den Semnonenhain der Seherin, deren Prophezeiungen über zukünftige Geschicke enormen gesellschaftspolitischen Einfluss hatten. Beobachten Sie die rekonstruierte Opferpraxis der Eisenzeit auf ihrem Weg über die Bohlen dämmriger Hochmoore, eine von vielen Pforten zwischen der Sphäre der Menschen und denen der Götter. Begleiten sie letztlich die Verstorbenen in die Halle des Göttervaters Wodan – der südgerm. Entsprechung des altn. Odin -, wo sie dem Tag des Zusammenbruchs des Götterpantheons harren, an dem – ähnlich dem „jüngsten Tag“ der Christenheit – im hereinbrechenden Chaos eine neue Weltordnung geschaffen wird.  Das hier schon deutlich hervortretende, christliche Element ist, genau wie die entsprechenden „heidnischen“ Einflüsse im Christentum, nur ein Beispiel für die Wechselwirkung der sich aneinander aufreibenden Religionen, die Sie im Zuge der Ausstellung kennen lernen werden.

In diesem Sinne freuen wir uns, Sie zur größten Ausstellung im Museum der Schwalm seit 10 Jahren begrüßen zu dürfen und wünschen Ihnen einen erbaulichen wie auch lehrreichen Rundgang durch die Lebenswirklichkeiten der Jahrhunderte um die Zeitenwende. Verlieren Sie sich nicht!

 

 

Herzliche Grüße von Ihrem Kuratorenteam

 

Dennis Möller

Ingolf Schuster

Dr. Simone C. de Santiago-Ramos

Catharina Knoch